Carmen Schiltknecht - Gebündelte Kraft

Art & Work, Event Schweiz und Publicum pmi haben sich zu FBM Communications zusammengeschlossen. Die neue Agentur für integrierte Kommunikation gehört 100 Prozent zur Freddy-Burger-Management-Gruppe. Managing Director der neuen Unit mit zwölf Mitarbeitenden ist Carmen Schiltknecht.

Aus drei mach eins, lautet das Konzept für mehr Power statt Verzettelung bei Freddy Burger. Seit November 2010 werden in seinem breit gefächerten Imperium alle bisher einzeln betreuten Disziplinen der integrierten Kommunikation unter einem Dach angeboten. Unter FBM Communications sind die Dienstleistungen Corporate Identity, Corporate Events und Public Relations zusammengefasst. Das Angebot reicht von der Konzeption einer kreativen Kommunikationsstrategie über die wirksame Umsetzung bis zur effizienten Erfolgskontrolle.

Geschäftsführerin des neuen Unternehmens ist Carmen Schiltknecht, bisherige Inhaberin von Art & Work. «Der Zusammenschluss der drei Agenturen entspricht den Bedürfnissen des Marktes», ist sie überzeugt. Der heutige Kunde wünscht eine Adresse, die kompetent 360-Grad-Kommunikation anbietet, und einen Partner, der weiss, wie der heutige Kunde und seine Zielgruppe tickt. Durch die unmittelbare Nähe zur Freddy-Burger-Management-Gruppe mit ihren Produkten der Unterhaltungsbranche und der Gastronomie soll vor allem die heute immer mehr gewünschte Live-Kommunikation stark an Bedeutung gewinnen. Die volle Integration in die FBM-Gruppe mit den Bereichen FBM-Entertainment und FBM-Gastronomie soll weitere Synergien für die Kunden bringen.

Die Event Schweiz war als Generalunterneh¬mung erfahren in der Realisation von Anlässen jeder Grösse. Der bisherige Geschäftsführer Michel Loris-Melikoff bleibt der Gruppe erhalten als Direktor der St.-Jakobs-Halle in Basel, die ebenfalls von FBM betreut wird. Die weiteren Spezialisten von Event Schweiz werden alle von Schiltknechts neuer Fusions-Agentur übernommen. Das gilt auch für die Mitarbeitenden der Publicum pmi. Diese hat in den vergangenen 17 Jahren ein wertreiches Netzwerk aufgebaut und weiss, wie man mit Public Relations arbeitet. Der langjährige Geschäftsführer Thomas Weber wird nach seinem Verkauf an Freddy Burger weiterhin als Freelancer die vielen Aufgaben rund um die Promotion von Udo Jürgens betreuen.

Art & Work, die bereits vorher sehr breit gefächerte Agentur der drei fusionierten Partner, ist seit 16 Jahren ein kreatives Frauenteam, das schon in den verschiedensten Bereichen Kommunikation erfolgreich auf den Punkt gebracht hat – vom Brand Consulting über Corporate Identity bis zum Coaching. Das vielseitige Angebot spiegelt auch die rei¬chen Erfahrungen von Carmen Schiltknecht.

Angefangen hat die Karriere der Gründerin von Art & Work mit der Wirtschaftsmatura in Stuttgart. Weil die Mutter meinte, dass eine «richtige Ausbildung» mehr bringen würde, hat Carmen Schiltknecht auch noch eine Lehre zum Kaufmann im Gross- und Aussenhandel angehängt. «Schon damals spürte ich in mir drin, dass ich beruflich mehr erreichen will. Ob angestellt oder selbständig, meine Haltung war in allen Phasen: leidenschaftlich nach vorne gehen, mit Macherlaune Konzepte realisieren und Menschen mit Ideen begeistern.» Belohnt wur¬de diese Einstellung zuerst mit mehr Verantwortung, dann mehr Lohn und schliesslich auch noch mit einer Lehrverkürzung. «Ich fand das toll, dass man sogar Ausbildungskonzepte verändern kann.»

1980 kam Carmen Schiltknecht in die Schweiz, sie ist einem Mann der Liebe wegen gefolgt. Der erfolgreiche Geschäftsmann hatte aber andere Lebensideen, für die sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif war. Die junge Frau war noch voller Berufsträume. So war die Ehe nicht von langer Dauer.

Wieder auf sich gestellt, hat sich Carmen Schilt¬knecht als Moderatorin beim eben gegründeten Radio Z beworben. Mit ihrem Stuttgarter Akzent wur¬de sie allerdings nur belächelt. Mit Interesse zugehört haben die Chefs Hans-Peter Meng und Alfred Fetscherin aber bei Schiltknechts Visionen, wieso ein Radio auch eine Hörerbindung braucht – mit Angeboten, Wettbewerben und Events. So wurde für die junge Deutsche eine massgeschneiderte Stelle für das damals noch kaum bekannte Sponsoring geschaffen. Parallel zum Job machte Schiltknecht eine weitere Ausbildung zum PR-Assistenten. Nach der Anfrage eines Z-Kunden baute sie drei Jahre lang das Studio Migros Zürich auf, kreierte eine neue Art von redaktionellen Radiospots von zwei Minuten Länge und wurde mit dem Betreuen einer Hauszeitung auch stellvertretende PR-Leiterin.

Erneut abgeworben – «ich hatte das Glück, dass immer die Richtigen auf mich zugekommen sind» – leitete sie später die PR-Abteilung bei Adia Interim mit erstmaliger Berufswerbung im Radio sowie einem Kundenmagazin. In diese Zeit fällt auch das Diplom zum eidg. dipl. PR-Berater.

Über die Chefredaktion des Kundenmagazins Confetti für Phillips ist Carmen Schiltknecht mit Beat Curti ins Geschäft gekommen. Der Verleger hat ihr nach dem finanziell bedingten Einstellen des gesponserten Jugendmagazins die Weiterführung seiner PR-Agentur Extrablatt angeboten. «Ein Abenteuer, bei dem ich noch viel lernen musste, bis aus einem grauen Mäuschen innerhalb der Curti-Grup¬pe ein wichtiges Geschäftsmodell geworden ist.»

In einem Pitch hat Schiltknecht das Good-News-Magazin gewonnen und das Kleinformat zu einem richtigen Heft entwickelt. Als im Verlauf von 16 Jahren immer mehr grosse Kunden dazugewonnen wurden, wollte die Chefin sich finanziell an der Agentur Extrablatt beteiligen. Das Angebot für eine Partnerschaft war aber so teuer, dass Carmen Schilt¬knecht lieber rechnete: «Ich habe das Ganze aufgebaut. Und was ich für andere kann, das kann ich auch für mich.»

So hat sie 1995 Art & Work gegründet. «Wir funktionierten als Nischenagentur mit vier Angestellten, konnten aber zeitweilig zwölf Mitarbeiterinnen beschäftigen.» Wie der Name es vorgibt, ist Art & Work beim Stil der Agentur zum Programm geworden. «Der Inhalt ist bei uns genauso wichtig wie das Design. Umgekehrt haben wir bei allem auch einen sehr hohen ästhetischen Anspruch.»

Vor fünf Jahren ist Art & Work mit der Gruppe von Freddy Burger eine erste Partnerschaft eingegangen. Dabei ist das Team auch von der Freigutstrasse an die Carmenstrasse umgezogen, ins gleiche Gebäude wie Publicum und Event Schweiz. Über eine immer enger gewordene Zusammenarbeit ist schliesslich sichtbar geworden, wie die drei Agentu¬ren gemeinsam noch einmal stärker auftreten könnten. «Freddy Burger weiss sehr genau, was er mit uns gekauft hat», ist Carmen Schiltknecht überzeugt. «Wir sind sehr engagiert, haben ein relativ hohes Tempo, einen wachen Geist – und haben als Frauen die Fähigkeit, uns in andere einzufühlen: Wo wird was gebraucht?» In Zeiten, wo Kommunikation ständig mehr übergreifend wird, «kann man PR nicht mehr nur als PR betrachten und Brand Consul¬ting auch nicht mehr allein für sich. Am Ende steht nur die Frage: Was mache ich mit dieser Marke? Mit was kann ich sie füllen? Welche Auswirkungen hat eine solche Kommunikation auf alle Mitarbeitenden?» In diesem Gesamtradius will FBM Communications heute «ganzheitlich denken und auf allen Disziplinen Lösungen anbieten».

Soeben hat die junge Agentur einen Kick-off-Event zur Motivation von 800 Mitarbeitenden bei der Helsana konzipiert und realisiert. Für das Mö¬belzentrum Volketswil wurde das gesamte CI einem Relaunch unterzogen. Viele Budgets stammen auch aus dem Bereich B2B. Seit mehr als fünf Jahren darf Carmen Schiltknecht für die Fifa arbeiten, zuletzt mit der Freddy-Burger-Management-Gruppe für Organisation, Realisation und Dekoration des ge¬samten Events rund um den «Ballon d'Or» im Kongresshaus verantwortlich. Bei diesem Job hat FBM Communications auch mit externen Partnern wie zum Beispiel Aroma zusammengearbeitet.

Nur rund ein Drittel der Aufträge sollen aus der Gruppe von Freddy Burger generiert werden. Diese beschäftigt 350 Mitarbeitende. Die meisten davon sind dem Bereich Gastro angegliedert mit den Zürcher Restaurants Sonnenberg, Theater 11, Schifflände, Trattoria and Soul und Aqua. Dazu kommen die Clubs Adagio in Zürich und Berlin sowie Mascotte. «In dieser Sparte steht für Werbung und Kommunikation kein grosses Budget zur Verfügung. Ein Lokal muss für sich selbst sprechen mit seiner Qualität und entsprechend zufriedenen Kunden.»

Mehr Möglichkeiten für kreative Umsetzungen bieten sich im Bereich FBM-Entertainment. Dazu gehören die Shows im Theater 11, Musical-Theater Basel sowie Tours und Events in eingemieteten Lokalen. Carmen Schiltknecht und ihr Team können bereits in der Planungsphase ihre Ideen einbringen. In Vorbereitung ist eine Neuauflage von «Cats» im Zelt oder die Zürcher Premiere des Musicals von Udo Jürgens «Ich war noch niemals in New York».

Carmen Schiltknecht sieht es als ein Vorteil an, dass sie bei solchen Projekten dank der Nähe zu Freddy Burgers Aktivitäten viel früher als andere Agenturen «interessante Pakete für potenzielle Sponsoren» schnüren kann. Sie weiss aber auch, dass sie in ihrem privaten Leben genauso die nötige Distanz suchen muss. Man arbeitet schliesslich in einer Freizeitindustrie.

Seit zwei Jahren sind der Impresario und seine Kommunikatorin auch als Paar verbunden. «Da wird es ganz wichtig, dass man es versteht, die unterschiedlichsten Hüte aufzusetzen.» Carmen Schiltknecht findet es gut, dass sie mit Freddy Burger schon drei Jahre vor der Freundschaft intensiv zusammengearbeitet hat. «Für Freddy ist es klar, dass er mit mir jemand hat, der sehr engagiert ist, den Beruf liebt und sich mit vollem Herzen und damit auch harter Überzeugung für eine Sache einsetzt.» Umgekehrt funktioniert dieser Respekt allerdings genau gleich. Und deshalb gibt es beim Powerpaar nicht nur endlose Diskussionen um anstehende Projekte, sondern auch Raum für die nötige Musse.

Andreas Panzeri

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