Emil Herzog - Im Land des Lachens
| Herzog Emil im Land des Lachens Emil Herzog war Marketingmanager bei Nestlé, Unilever, den VBZ und Globus. Dann wollte er Spass und machte sich als Kabarettist und Humortrainer selbstständig. Mit seinem Theaterspiel hat er in den letzten zwanzig Jahren viele Unternehmen aufgemischt. Nun will er vor allem Führungskräfte das Lachen lehren. |
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| mehr als ein fader Joke. Herzog beherrscht den Angriff auf die Lachmuskeln seiner Zuschauer aus dem Eff-Eff. Er verzieht das Gesicht, fährt mit seinen Händen durch die Luft, imitiert Gang und Tonfall seiner Mitmenschen, serviert ihnen Schräges, Eigen-Artiges und Komisches. Und wenn sein Publikum einen etwas steifen und eingerosteten Eindruck macht, lockert Herzog es rasch auf: mit dem Crazy-Dance, einem selbst erdachten Mitmach-Formationstanz für alle Gliedmassen. Mit seinen Parodien will Herzog aber nicht plattes Gelächter erzeugen, sondern seinem Publikum den Spiegel vorhalten, es schmunzelnd zum Nachdenken bringen. Denn seine Auftraggeber buchen den Herzog des Humors nicht als Pausenclown, sondern weil sie in ihrem Unternehmen etwas verändern wollen: zum Beispiel Nähe zwischen Teamkollegen herstellen, Potenziale aufzeigen, Konflikte lösen, Leitbilder und Ziele für die Zukunft lebendig machen, Mitarbeitern Bestätigung und neue Energie geben oder Aufbruchstimmung erzeugen. «So bleiben Firmenveranstaltungen auch besser im Gedächtnis», sagt Herzog. «Das ist Power ohne Point.» Gratwanderung Humor Einen passenden Spruch hat Herzog für jede Situation auf Lager. Zu Beginn jedes Auftritts enteist er die Stimmung mit einem gezielt platzierten Lacher. Lachen fördert die Kooperationsbereitschaft des Publikums. Auf diesem Nährboden kann Herzogs scharf-komischer Blick auf die oft unerfreulichen Tatsachen gut fruchten. Welchen Knackpunkt der Kabarettist mit seinem Spiel zur Sprache bringen soll, ermittelt er durch Fragebögen: «Meinem jeweiligen Ansprechpartner in einem Unternehmen sende ich einen Fragebogen mit der Bitte, ihn an neun weitere Mitarbeiter der Firma weiterzuleiten, möglichst breit gestreut. Die zehn anonymisierten Rückantworten verraten mir dann schnell, wo es in dem Unternehmen klemmen könnte.» Ein geschulter Blick für Menschen und eine grosse Portion Einfühlungsvermögen helfen Herzog, das richtige Thema und den richtigen Ton zu treffen. Mit Sarkasmus, Ironie oder heiklen Themen ist er vorsichtig. Denn Humor und Humor ist mehr als zweierlei. «Trotzdem gehe ich auch gerne mal ein Risiköli ein», betont Herzog. «Natürlich darf ich nicht schlauer sein als der CEO oder Mitarbeiter lächerlich machen. Aber ich darf meinem Publikum mit Charme und Kompetenz den Spiegel vorhalten und es zum Lachen und Nachdenken bringen.» Was Lachen bei einer Veranstaltung bewirkt, schafft es auch im Arbeitsalltag: Humor entschärft Konflikte, baut Stress ab, verbindet Menschen und fördert den Teamgeist. In Unternehmen mit guter Humorkultur arbeiten Mitarbeiter motivierter, sie sind kreativer und flexibler. Das Meckern in der Kaffeepause dagegen bindet Kräfte und führt oft auf breiter Front zur inneren Kündigung. Mit Spass am Arbeitsplatz ist das Schnee von gestern. Wirklich clevere Führungskräfte setzen Humor deshalb gezielt und treffsicher als Werkzeug ein. Sie leisten sich gelassene Heiterkeit, geben ihren Mitarbeitern Narrenfreiheit und können Fünfe auch mal gerade sein lassen. Damit de-blockieren sie Prozesse, und alles läuft wie geschmiert. Das lehrt Herzog in seinen Humorseminaren für Kadermitarbeiter. Topleute nehmen sich selber nicht so ernst, davon ist der Humorexperte überzeugt. Er hat Recht: Wahre Profis sind meistens sehr entspannt. Lach mal wieder Natürlich ist nicht jeder Mensch zum Entertainer geboren. Herzog will aber auch nicht aus allen einen Emil machen. Und das ist gut so. Denn Personen, die permanent ein flottes Sprüchlein auf den Lippen haben, können ihren Mitmenschen den letzten Nerv rauben. Herzog will vielmehr erreichen, dass jeder die komische Seite seines Alltags und seiner eigenen Persönlichkeit erkennen lernt – und sie mehr zulässt. Dann löst sich vieles in einem Schmunzeln auf, noch bevor es sich zum Konflikt entwickeln kann. «Humor ist Kreativität, ein perfektes Beziehungsschmiermittel und ein Entstresser», fasst Herzog zusammen. «Wenn Sie als Chef nur diese drei Dinge beherzigen und dafür darauf verzichten, sich aufzuspielen, sind Sie schon sehr weit.» Wenn es gut läuft, hebt Herzog mit seinen Parodien nicht nur die Stimmung während einer Veranstaltung, sondern prägt auch den weiteren Arbeitsalltag und die Lebenseinstellung der Anwesenden positiv. «Humor ist eine Lebens- und Produktivkraft, die noch nicht wirklich entdeckt ist», betont Herzog. Für die Entdeckungsreise zahlen Herzogs Auftraggeber zwischen 5000 und 7000 Franken, für einen Anlass für rund 300 Mitarbeiter mit ein bis zwei Vorbereitungstagen und dem Auftritt. Non-Profit-Organisationen berappen 40 Prozent weniger. Angesichts der breiten Wirkung von Herzogs Spiel ein echtes Schnäppchen. Seine sichere Hand für Pointen und seinen Sinn für freundliche Provokationen schulte Herzog zu Beginn seiner Kabarettistenlaufbahn mit Ausbildungen an der Mimenschule Ilg in Zürich, an der Pariser «École Lecoq» bei Philippe Gaulier sowie bei den durch einen Film von Federico Fellini bekannt gewordenen Clowns «I Colombaioni» in Rom. Zwei Theatertourneen und 280 Soloauftritte in der Schweiz, Deutschland und Österreich brachten ihm ordentlich Bühnenroutine. Doch auch seine Berufserfahrung im Marketing kann Herzog gut in seine Spielpraxis einbringen: «Ich bin Manager und Verkäufer. Ich weiss, wie die Realwirtschaft funktioniert, und kann mich in Unternehmen, Prozesse und Menschen hineindenken. Man kann sich nur über etwas amüsieren, das man auch durchschaut hat. Sonst wirkt es leicht überheblich, und die Wirkung verpufft. Aber ich bin fachlich und als Komiker kompetent und habe dadurch einen guten Draht zu meinem Publikum.» Herzog tritt nicht nur in Unternehmen und sozialen Institutionen auf, er wird auch als Regisseur engagiert, wenn Mitarbeiter eines Unternehmens bei Firmenveranstaltungen Theater spielen. Dann coacht er die Spieler bei der Vorbereitung ihres Auftritts. Ein weiteres wichtiges Standbein des Humortrainers ist seit 1999 die jährliche Ausbildung von Trainern, Projekt- und Teamleitern zum «Manager of Business Entertainment MBE». In dieser Ausbildung lernen Trainer, ihre Seminare zu Events zu machen, statt staubtrocken Wissen zu vermitteln. Leidenschaft für Vogelfänger Zwischen 1939 und 1946 wächst Emil Herzog bei seinen Grosseltern in Luzern auf. Schon als Kind zieht es ihn zur Bühne: Der Bub ist fasziniert von Mozarts Zauberflöte, besonders von den beiden Figuren Sarastro und Papageno. «Sie sind wie der ernste Weissclown und der fröhliche, aber etwas dümmliche August», sagt Herzog. «Ich habe beide geliebt.» Nach sieben Jahren zieht Herzog zu seinen Eltern nach Zürich. Dort geht er zur Schule und absolviert eine Lehre als Verkäufer in einer Eisenwarenhandlung. «Das war vielseitig und hat Spass gemacht, war mir schliesslich aber doch zu einfach», erinnert er sich. Deshalb holt Herzog am Abendgymnasium seine Matura nach und startet ein Wirtschaftsstudium an der Hochschule St. Gallen. Nach Abschluss des Studiums geht Herzog nach Amerika und England – und bringt als Souvenir viel trockenen, britischen Humor mit. Wieder in der Schweiz steigt Herzog bei Nestlé ein und kümmert sich um das Marketing für Nescafé, Nesquik und neue Produkte. So ist er beispielsweise mitverantwortlich für die Entwicklung der Marke Nestea. 1970 bis 1972 arbeitet Herzog als Vertreter für medizinische Geräte im Unternehmen seines Schwiegervaters, dann geht er zurück ins Marketing: «Bei Unilever war ich Marketing-Mann für Waschmittel. Dann wollte ich etwas Sinnvolles machen und ging zu den Zürcher Verkehrsbetrieben VBZ», berichtet Herzog augenzwinkernd. Bei den VBZ gibt er Gas: Er entwickelt die neue Identity «VBZ Züri Linie». «Das war unglaublich spannend, aber wegen der ausgeprägten Bürokratie damals auch sehr hart. Ein Stalingrad des Marketings.» Die letzte Station als Angestellter macht Herzog beim Globus. Dort ist er für das Stammkundenmarketing verantwortlich. Stetes Lachmuskeltraining Egal, womit Herzog hauptberuflich beschäftigt war und ist – ohne Theaterspiel geht es bei ihm nie: weder in der Schule, noch im Militär, noch als Angestellter. Bei Unilever ist er nicht nur als Marketer, sondern auch als Kabarettist und Entertainer bei Firmenanlässen gefragt. «Ich habe gemerkt, dass ich Resonanz bekomme, wenn ich lustig bin», sagt Herzog. «Und ich hatte das Gefühl, dass da mehr drin liegt, als nur ab und zu aufzutreten. Also begann ich, nach meiner Urrolle zu suchen. Ich fragte mich: ‹Wer bin ich eigentlich? Und wenn ja, wie viele?›.» Mit 35 Jahren stösst Herzog auf die Mimenschule Ilg in Zürich. «Ich besuchte diese Schule mit der Vorstellung: ‹In sieben Jahren stehst du auf dem Hechtplatz!›.» Tatsächlich tritt Herzog sieben Jahre später mit einem Soloprogramm unter anderem im Zürcher Theater am Hechtplatz auf. Er spielt zwei Programme, doch schon bei der Vorbereitung des dritten stört er sich daran, dass sich einiges wiederholt. «So kam ich darauf, Spielkultur und Business-Know-how zum Businesstheater zu kombinieren und in grossen Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzutreten. Das war 1988.» Am Anfang parodiert und karikiert Herzog noch parallel zum Job, 1990 macht er sich schliesslich mit «Emil Herzog live» selbstständig. Mit 50 Jahren. Damit bleibt Herzog seinem Lebensmotto, einem Spruch von T. S. Eliot, treu: «Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.» Herzog hat mit seinem Businesstheater Erfolg. Bis heute stand er für etliche klingende Namen auf der Bühne, unter anderem für BMW, Coop, Credit Suisse, Hewlett-Packard, McKinsey, die Migros, den Otto-Versand, Pro Infirmis, den SV-Service, die Universität St. Gallen, die Winterthur- und Zürich-Versicherungen, die Deutsche und Schweizer Post, Siemens und die Stadt Zürich. Auch die ehemaligen Arbeitgeber Unilever und Nestlé engagierten den Komiker. Es geschieht, dass ein CEO Herzog nach einer Veranstaltung voller Enthusiasmus umarmt, weil ihm sein Auftritt so gut gefallen hat. «Das sind meine schönsten Momente», sagt Herzog. Sein Erfolg sei eigentlich erstaunlich, findet er selbst: «Als ich mit dem Unternehmenstheater begann, war es noch nicht so akzeptiert wie heute. Eher ein bisschen seltsam.» Humor als Betriebssystem der Führung Emil Herzog ist 70 Jahre alt und blickt auf ein erfülltes Familien- und Berufsleben zurück. Vor allem aber blickt er nach vorn: «Ich plane Wanderungen und Reisen mit meiner Frau und träume davon, ein Drittel des Jahres in Stäfa, ein Drittel in San Francisco und ein Drittel an der englischen Südküste zu leben.» Und da Herzog ohne Clownerei nicht kann, feilt er ausserdem noch an seinem Konzept für humorvolles Führen. «Ich setze mich schon seit zwei, drei Jahren mit Humor in der Führung, mit dem genussvollen Dominanzverzicht, auseinander», erzählt er. «Meine Seminare für Kadermitglieder kommen gut an und werden in meinem Portfolio immer wichtiger. Darum möchte ich dieses Angebot weiter ausbauen. Ich bin selbst ein guter Klimaschaffer und kann Führungskräften zeigen, was eine gute Atmosphäre im Betrieb bewirken kann – und wie man sie herstellt. Die meisten CEOs und Manager können einen Humorschrittmacher für etwas mehr Gelassenheit gut gebrauchen.» Anne-Friederike Wilhelm, Werbewoche 25.03.2010 |
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