Die Quereinsteiger - Urs Benz, Stephan Brunner und Javier Gonzalez

Quereinsteiger
Urs Benz, Stephan Brunner und Javier Gonzalez sind BBG Werbung in Thalwil und werden immer mehr zu Überfliegern aus der Provinz. Was aber nur noch wenig mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit in der Tourismusbranche zu tun hat.
Two is a company. Three's a crowd», hat der Filmkomiker Groucho Marx einmal gewitzelt. Die Weisheit hat es auch bis zum Titel für eine amerikanische Sitcom geschafft. Aber was in einer amourösen Beziehung wohl seine Berechtigung hat, muss im Geschäftsleben noch lange nicht stimmen. Zumindest BBG Werbung beweist seit 1999 das Gegenteil. Das Trio von Urs Benz, Stephan Brunner und Javier Gonzalez findet es eine ideale Form, dass die drei Kreativen in ihrer Agentur alle Pläne, Probleme und Projekte nicht nur zu zweit, sondern in einer «crowd» besprechen. «Das kann zwar manchmal einen sozialen Unfrieden in den Arbeitsalltag bringen. Entscheide müssen ausdiskutiert werden. Was bei drei Alphatieren nicht einfach ist – dafür umso spannender», meinen die drei Inhaber von BBG.

Corporate Identity und Design, klassische Werbung, Marketing, Public Relations, Internet-Lösungen, Messeauftritte und Events machen BBG zu einer Fullservice-Agentur. Neben den drei Partnern sind in Thalwil aktuell drei Mitarbeitende beschäftigt. Diese sollen demnächst mit einem Webprogrammierer verstärkt werden. «Das haben wir bisher extern geregelt. Wir sind aber überzeugt, dass eine eigene Online-Kompetenz heute unbedingt zu einer klassischen Agentur gehört, genauso wie bisher die Grafik», meint Javier Gonzalez. Zu einem ansonsten breiten Netzwerk an Freien meint BBG: «Wir nehmen nicht in Anspruch, alles zu können. Aber wir wissen, wer was am besten kann.»

Auch wenn viele Projekte gemeinsam aufgestartet werden, sind die Verantwortungsbereiche klar strukturiert. Javier Gonzalez ist der geschäftsführende Partner oder MD. Urs Benz führt als AD die visuelle Gestaltung weiter. Stephan Brunner übernimmt als CD die Koordination der vielschichtigen Prozesse und ist für New Business zuständig. «Jeder hat aber jederzeit den Überblick und bleibt auch selber mit den Kunden in Kontakt», meint das eingespielte Team und witzelt: «Da wir alle den gleichen Jahrgang 63 haben, hat bei uns keiner den Anspruch, als Ältester die Führung zu übernehmen.»

Eine weitere Gemeinsamkeit der drei Partner ist ihre berufliche Vergangenheit in der Tourismus-Branche. «Ein Zufall, der uns zusammengebracht hat. Heute allerdings bildet diese Branche bei BBG kein Klumpenrisiko mehr», meint der «Firmensprecher» Stephan Brunner. Das Portfolio und damit auch die Kompetenzen haben sich in die verschiedensten Richtungen erweitert mit Kunden wie Meteo Schweiz, Swiss Caution, Gehörlosenbund, Olympus, Bernina, ZyXEL oder Docu Media. Eine Kernkompetenz ist im Bereich B2B zu orten. Deshalb bleibe man offen für Projekte verschiedenster Branchen. «Die Mechanismen des Marketings sind ja im Grunde für alle Kommunikationsaufgaben ähnlich», weiss Javier Gonzalez.

Der eigentliche Gründer von BBG erlebte seinen beruflichen Start am Schalter von Traveller Reisen. Von dort ging der Trip bei Jelmoli und TUI weiter. Weil Gonzalez aber sah, dass das Verkaufen von Reisen ihn selber nur wenig weiterbringt, wechselte er in die Unternehmensberatung zu Roland Bischofberger. Er bildete sich weiter in Testpsychologie und machte auch noch einen Abschluss als Betriebswirt. Mit diesen Diplomen und seiner touristischen Erfahrung im Gepäck eröffnete sich die Chance, bei Travac Fernreisen eine neue Abteilung für das Marketing aufzubauen. Gonzalez durfte Promotions-Aktionen mit Geldern verschiedener Destinationen wie zum Beispiel USA organisieren. Dazu hat er auch neue Ideen für das Handelsmarketing rund um Hotels, Fluggesellschaften und anderen Leistungsträgern lanciert. «Wir haben die ganze Werbung inhouse gestaltet», erklärt Gonzalez den fliessenden Einstieg in seinen heutigen Job. Vorher wurde er aber noch in die Geschäftsleitung von Imholz berufen. Nach der Übernahme durch TUI wurde er dort Marketing-Chef. In dieser Zeit hat er mit verschiedenen Werbeagenturen zusammengearbeitet. Weil er deren Aufgaben bald spannender als seine eigenen empfunden hat, fragte er sich schliesslich: Wieso müssen wir die Aufträge extern vergeben? Gonzalez kreierte ein Konzept für eine Inhouse-Werbeagentur mit 15 Leuten. Als TUI bei der weiteren Expansion mit Kuoni noch einmal anders organisiert wurde, hat sich die Idee zerschlagen. Gonzalez wollte aber sein Traumziel nicht aufgeben und wagte 1999 den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Werbeagentur hiess zu Beginn noch Emch, Gonzalez & Partner. Bereits im ersten Jahr ist Urs Benz als Art Director dazugekommen.

Urs Benz hat mit einer technischen Kehre in einer kleinen Druckerei begonnen. Als Reprograph entdeckte er bald sein Flair für grafische Arbeiten. «Das wurde von meinem damaligen Chef sehr stark gefördert», erinnert er sich. So konnte das kreative Talent als Quereinsteiger zum damaligen Schweizerischen Studentenreisedienst (SSR) wechseln. Dort habe er in der Werbeabteilung von sehr erfahrenen Grafikerinnen viel lernen können. «Das war alles noch in einer Zeit vor der Computerisierung», schmunzelt Benz. Als diese Technik aber immer sichtbarer wurde, war Benz einer der ersten, der sein Pult mit dem Desktop vertauschen wollte. Dazu machte er auch noch eine Ausbildung als technischer Farbgestalter. Nach der Übernahme von SSR durch STA Travel konnte Benz einen Grossauftrag für die Destinationswerbung der neuen Marke «an Land ziehen». Weil er den Job nicht alleine durchziehen konnte, ist er damit zu Gonzalez gegangen. So sind die beiden Partner geworden.

Stephan Brunner als dritter im Trio ist nach fünf Jahren dazugekommen. Wie es sich für einen BBG-Partner gehört, startete auch er im Tourismus als Product Manager bei Hotelplan. Später folgten fünf Jahre im Verlagsmarketing bei IVA und Senger Annoncen. Dann machte sich der Betriebswirt bereits in den 90er-Jahren ebenfalls selbstständig als «One-Man-Werbeagentur». Der Umzug in ein neues Büro an die Seestrasse in Thalwil brachte Brunner zuerst physisch dank der gleichen Adresse und bald auch organisatorisch mit Gonzalez und Benz zusammen. Seither reisen die Werber im Trio.

Um auch für die Zukunft weiter gerüstet zu sein, geht BBG Werbung in diesen Tagen in eine Klausur und schnallt sich hierfür einen externen Berater an. «Man kann nicht nur seinen Kunden sagen, es brauche eine externe Beratung – und dann selber alles allein machen wollen.»

Dank der «privilegierten und genialen Lage» direkt am Zürichsee wird trotz Strategie-Prüfung ein Ortswechsel nach Zürich kein Thema sein. Denn die Kreativität kann sich auch in der Region «Zürich Park Side» bestens entfalten. Eine solche Einsicht scheint doppelt logisch bei drei Kreativen, von denen keiner seine Sporen in einer grossen Agentur abverdienen durfte oder musste. Ihren Aufstieg schafften alle von BBG als Quereinsteiger.

Andreas Panzeri für werbewoche, 19.11.09

Urs Benz, Javier Gonzalez, Stephan Brunner (v.l.).


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