Die Bildzauberer - Remo Burkhard und Michael Meier
| Remo Burkhard und Michael Meier können mit Vasp jede Idee visualisieren. Vasp ist eine junge, inhabergeführte Visualisierungsagentur in Zürich, die sich auf Komplexitätsreduktion und Visualisierung spezialisiert hat. Hinter dem Label Vasp steckt das Konzept «Visual Approaches to Solving Problems». Die Spezialgebiete der Agentur mit 15 Visualisierungsexperten sind die Darstellung von Wissen und die Umsetzung einzigartiger Bilder. «Wir können alles darstellen, was man sich vorstellen kann», versprechen die beiden Köpfe von Vasp. Remo Burkhard und Michael Meier haben zusammen in Zürich Architektur studiert. In einem gemeinsamen Projekt haben sie herausgefunden, «dass es zusammen besser geht als allein». Burkhard war gut beim Vereinfachen. Meier war gut im Visualisieren. Im Duo entstanden «Bilder und Visualisierungen, die wirklich überzeugen». Um diese Idee auf den Markt bringen zu können, haben sie eine Firma gegründet. Burkhard wollte immer Architektur studieren, aber nie bauen. In einem Praktikum in New York, wo er im renommiertesten Büro für virtuelle Architektur arbeiten konnte, hat ihn die Begeisterung anderweitig gepackt. Nach sieben Monaten im Big Apple wusste er: «So etwas werde ich auch in der Schweiz machen!» Meier hat sich aus Begeisterung für die Vielseitigkeit der Ausbildung für das Architekturstudium entschieden. Auch er wusste schnell: «Mich interessiert das revolutionäre Denken, nicht das Bauen.» Man arbeite im Bauprozess viel für den Papierkorb. Dazu kommen sehr lange Prozesse, während sich Meier mehr für die schnellen Projekte begeistern konnte. Eines davon war die Arteplage in Yverdon, wo Meier in seinem Praktikum für die Expo 02 den ganzen Pavillon in 3D aufbauen konnte. So hat ihre Geschäftsidee «die besten Bilder machen» die beiden schliesslich immer mehr in Bann gezogen. Beflügelt wurden sie von der Zeit, in welcher 3D und neue Computertechniken ständig raffinierter wurden. «Wir sind völlig eingetaucht in diese Welt.» Um sich noch mehr spezialisieren zu können, hat Burkhard ein Doktorat zum Thema «Wissensvisualisierung» angehängt. Um das Geld für sein Studium zu verdienen, hat Burkhard viel programmiert und für IBM und in Banken gearbeitet. «Dort habe ich gesehen, dass fast ausschliesslich mit Excel, Powerpoint und Word gearbeitet wurde», vergleicht der damalige Quereinsteiger die Geschäftswelt mit der viel visuelleren Welt der Architekten. «Hier arbeiteten wir mit Skizzen, Plänen, Modellen, 3D-Bildern, Schemen, Filmen und Renderings, um Wissen zu erarbeiten und zu vermitteln.» Deshalb waren sich Burkhard und Meier schnell einig: «Die Methoden der Architekten kann man auch in anderen Branchen – in Werbeagenturen, Behörden und Banken – einsetzen.» Wie kann man Inhalte vereinfachen? Wie kann man die Methoden der Architekten in die Wirtschaft ziehen? Wie entsteht dadurch eine höhere Effizienz und mehr Umsatz? Rund um diese Fragen ist die Business-Idee entstanden, Methoden aus der Architektur in Firmen wie IBM, ABB oder eben Banken einzubringen. «Wir nannten unseren Ansatz Wissensvisualisierung.» Darunter verstehen die Gründer von Vasp Datatecture mehr als nur eine erweiterte Definition von Infografik und Illustration. «Es geht uns zuerst um die Komplexitätsreduktion, danach um den Einsatz der besten Visualisierungsmethode.» Der Megatrend Wissensvisualisierung, so sind die beiden überzeugt, wird für Unternehmen bald einmal eine ähnliche Bedeutung und Pflicht erlangen wie früher die Corporate Identity. Ihre eigene Firma war für Meier und Burkhard «ein Start-up mit einem Traum». Beide konnten nur ein Startkapital von je 1'500 Franken einschiessen. Die Jungunternehmer kamen aber schnell voran. «Wir wollten eine richtige Firma nach Obligationenrecht. Nicht nur eine Bastelstube mit Küchentisch und unbezahlten Nachtschichten und Wochenendarbeit.» Was es braucht, um eine Firma richtig positionieren zu können, hat Remo Burkhard vorgängig in St. Gallen gelernt. Dort leitete er an der Universität drei Jahre lang den Aufbau eines Kompetenz-Zentrums. Für das eigene Unternehmen wussten Meier und Burkhard: Es herrschte noch die Dotcom-Krise – und da verlangten die Kunden Sicherheit. Sie haben sich trotz Krise für Festangestellte und nicht für Freelancer entschieden und 2003 eine GmbH gegründet. Das erste Büro war eine Untermiete in einem Beraternetzwerk an bester Lage in Zürich Stadelhofen. «Da sind wir in den Pausen mit Unternehmensberatern ins Gespräch gekommen und haben täglich deren Sprache gelernt.» Ein erster Auftrag war ein 3D-Spiel rund um den Digital Divide. Im Rahmen des Impulsprogramms CH21 musste ein Lernprogramm für den Umgang mit dem Internet konzipiert werden. Die Lösung war eine Computer-Animation als Flash-Spiel. Das gelungene Projekt führte zu weiteren Anfragen aus dem Bereich Schulung. Das Personal wurde erweitert. «Bei fünf Leuten spürten unsere Kunden: Wir sind stabil und keine Eintagesfliege.» Sie erhielten Anfragen von Konzernen und gaben interne Schulungen. Daraus ergab sich ein Grossprojekt für die UBS, wobei sie ein modernes Trainingskonzept für die Ausbildung von über 1'000 Kundenberatern entwickelt haben. Der Schlüssel war die Kombination von Komplexitätsreduktion und Visualisierung. Für die ETH musste deren Strategie von 100 Seiten Text auf eine Doppelseite verdichtet werden. «Big Pictures» nennt man diese Technik, bei der die Essenz mit komplexen Zusammenhängen auf einem Poster dargestellt wird, getreu dem Motto «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte». Mit dem wachsenden Erfolg entdeckten auch Werbeagenturen wie Jung von Matt, SFLB, Matter & Gretener, Wirz oder Publicis die kreativen Dienste der Visualisierer. Sie beauftragten die Firma, unkonventionelle Bildideen umzusetzen, oder suchen Rat, wenn für einen Verkaufsprospekt Produkte, die es noch gar nicht gibt, wirkungsvoll abgebildet werden müssen. Zum Beispiel Prototypen für die Werbung im Autosalon oder Bilder im Immobilienbereich, mit denen ein Architekt oder Entwickler Investoren für geplante Projekte gewinnen will. Um all diese wachsenden Nachfragen bewältigen zu können, hat Vasp bald auf zehn Mitarbeitende ausgebaut. «Plötzlich waren wir in den Augen einiger Kunden eine Grossfirma», stellte Burkhard schmunzelnd fest. Der wachsende Erfolg führte schliesslich zum heutigen Idealbestand von 15 Spezialisten. Weil diese Grösse auch eine andere Struktur verlangt und anders geführt werden muss, ist Martin Vögele im November letzten Jahres als CEO zu Vasp gestossen. Zum letzten Kick in dieser Entwicklung wurde ein noch laufendes Grossprojekt für den Klett-Verlag mit 400 «völlig neuartigen Bildern». Die vielseitige Agentur hat ihre Büros inzwischen in einem Loft im Zürcher Westend. Hier arbeiten neben 3D-Spezialisten und Grafikerinnen auch vier wissenschaftliche Illustratorinnen sowie ein Product-Designer. Auffallend ist, dass die Jungunternehmer «ältere Hasen» in ihr Team integriert haben. Der Beratungschef kann dreissig Jahre Unternehmensberatungserfahrung vorweisen. Der Buchhalter hat schon die verschiedensten wirtschaftlichen Stürme überstanden. «Mit einer solchen Aufstellung haben wir einfach ein breiteres Wissen», sind die beiden Jungunternehmer überzeugt. Und durch die Entlastung im Management haben sie mehr Zeit für das konzeptionelle und visuelle Arbeiten. Remo Burkhard und Michael Meier sind aktiv in alle Projekten involviert. «Für unsere Kunden ist es wichtig, dass sie mit uns einen direkten Dialog führen können.» So kann Vasp einem Werber zum Beispiel nicht nur die möglichen Techniken erklären, sondern im Gespräch auch aufzeigen, «wie man ihre Idee mit neuen Techniken vielleicht noch mehr zuspitzen könnte». Burkhard und Meier sind dafür kompetent, weil sie mit ihrer Firma lizenziert sind, «einige der besten Software-Programme für 3D» in der Schweiz vertreiben zu können. «Das gibt uns Einblick in zukünftige Techniken, die unserer Konkurrenz noch nicht bekannt sind.» Zum Beispiel im Bereich Modellierung und Belichtung. Natürlich ist es ideal, wenn Vasp bei einem Projekt möglichst frühzeitig beigezogen wird und nicht erst zum Schluss «ein fertiges Bildchen» liefern darf. «Wenn wir schon zu Beginn mit einer Skizze eine mögliche Lösung einbringen können, ist man später schneller und verliert weniger Zeit und Geld.» Damit interessierte Kunden diesen Paradigmenwechsel verstehen und selber besser werden im Visualisieren, bietet die Agentur Kurse an. In Seminaren mit Titeln wie «Zeichnen für Nichtzeichner» oder «Power Point Doktor» lernen die Teilnehmenden einfach einsetzbare Techniken. «Natürlich zeigen wir auch mit aktuellen Beispielen den weltweiten State of the Art, den die Kunden aber nicht allein, aber zusammen mit uns umsetzen können, wenn sie mit Power Point und Co. nicht mehr weiterkommen», meinen Burkhard und Meier zu ihrer ebenso nützlichen wie raffinierten Verkaufsidee. Einen Zukunftsmarkt für ihre Ideen sehen die beiden auch in Asien. Als Folge der Bankaufträge hat Vasp in Singapur letztes Jahr ein Zweigbüro eröffnet. Wegen der aktuellen Finanzkrise wird es aber momentan nur auf Sparflamme betrieben. Trotzdem zeigt die Buchhaltung, dass aus ihrem früheren «Traum», mit 3D-Bildern Geld verdienen zu können, ein Unternehmen in einem Nischenmarkt geworden ist. Die Zürcher Pioniere sind überzeugt, dass dies auch daran liegt, dass sie früh das Angebot um die Komplexitätsreduktion erweitert hatten, was heute die Hälfte der Einnahmen garantiert. «Ich glaube an unsere Firma, sonst hätte ich nicht eine Familie mit drei Kindern gegründet», meint Michael Meier auf die Frage, ob es in seinem Leben neben der Arbeit auch noch Platz für etwas anderes gibt. Remo Burkhard gibt als Ausgleich «Reisen» an. Aber nur in Grossstädte und nicht in die Natur. «In den Grossstädten finde ich diese faszinierende Überlagerung unendlich vieler Kulturen, Information und Eindrücke», meint er. Und von irgendwo müssen die Ideen ja schliesslich kommen. Andreas Panzeri für werbewoche |
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| Die Arbeitsproben von Vasp zeigen: Die virtuelle Fotografie ist prädestiniert, Fantasien und Fiktionen sichtbar zu machen. Plötzlich werden Ideen, Objekte und Inhalte, die nicht oder nur mit aufwändigen Composings, Modellbau und Retuschen darstellbar waren, dank dem Computer realisierbar. Bevor Prototypen von neuen Produkten produziert sind, können fotorealistische Bilder bereits für Marketing und Werbezwecke eingesetzt werden. Auch in der Architektur wird die Technik erfolgreich eingesetzt. |


















