 |  | Urs Schrepfer ist neu Executive Creative Director bei TBWA Zürich und will die Agentur zur breit gefächerten Drehscheibe für Kommunikation machen.
Die internationale TBWA hat Urs Schrepfer «schon immer fasziniert». Die Agenturgruppe gehört für ihn «zu den wirklich innovativen Netzwerken» dieser Welt. Davon müsse auch in der Schweiz etwas mehr sichtbar werden, fand Urs Schrepfer. Und genau die Aufgabe hat ihn als neuen Executive Creative Director zu TBWA in Zürich gelockt.
Bereits der Einstieg beim neuen Arbeitgeber hat seine Einschätzung voll bestätigt. Vor vier Wochen durfte Schrepfer an einem Workshop in Istanbul teilnehmen. Beim internationalen Meeting waren neben John Hunt, dem internationalen CD von TBWA, auch Jean-Marie Dru, Erik Vervroegen sowie alle wichtigen Netzwerker aus Europa vertreten. «Das war schlicht ein Hammer. Ich habe in meinen 13 Jahren bei Advico noch nie einen derart hohen Level bei einem Seminar erlebt», schwärmt Schrepfer. Für ihn war klar: «Hier sind tatsächlich die besten Leute an der Spitze.» Bei einigen Netzwerken habe er bisher nämlich das Gefühl gehabt, «dass man die schlechtesten Leute nach oben befördert und damit bewusst aus dem operativen Business herausnimmt».
Und was zeigte sich in Istanbul und damit bei TBWA anders? Einer der ganz entscheidenden Punkte ist für Schrepfer, dass TBWA sich zum Ziel gesetzt hat, eines der zehn kreativsten Unternehmen der Welt zu werden.
«Unternehmen – nicht Werbeagentur», habe John Hunt präzisiert. Und dabei auf Vorbilder wie Google oder Ebay verwiesen, wo grundsätzlich alles möglich ist, was Kreative erfinden können. «Das sind Unternehmungen, an denen wir uns messen müssen», hat Schrepfer gelernt. Und er ist fasziniert von dieser Philosophie.
Genau so wie Andy Hostettler, der als CEO bei TBWA Zürich die gleichen Ideale verfolgt. «Wir sind nicht mehr nur eine Werbeagentur, sondern wir wollen zu einer Kommunikations-drehscheibe werden.»
Um das erreichen zu können, will TBWA auch in Zürich einen Pool für Talente aufbauen. Architekten, Künstler, Denker und Techniker, die neue Ideen ebenso wie neue Kanäle für deren Verbreitung suchen und entwickeln. Bei TBWA nennt man diese Kommunikationskanäle «Media Arts».
Schrepfer lächelt bei diesen Erklärungen ein bisschen über Agenturen, die jetzt «voller Stolz» über ihre erweiterten Kompetenzen im Online berichten. «Es ist alles lieb und nett, wenn jetzt der Digitalbereich eingebaut wird. Das ist aber inzwischen schon lange eine absolute Notwenigkeit und sicher keine Innovation, die man propagieren muss.»
Und die konkrete Umsetzung? In Belgien hat TBWA zum Beispiel kommunizieren müssen, dass man inzwischen schneller von Brüssel nach London fliegen kann. Die Idee, die dazu entwickelt wurde: London liegt gleich um die Ecke. Und so wurde sie als «Media Art» umgesetzt: TBWA hat mit Hilfe eines Architekten eine Eckkneipe zu einer symbolträchtigen Bar umgebaut. Ein Teil ist wie ein belgisches Bistro eingerichtet. Die andere Hälfte wurde auch von aussen zum englischen Pub umgestylt. Das Echo in den Medien war sehr positiv. Etwas diskretere «Media Art» ist für Schrepfer aber auch eine Idee von Virgin, auf dem Adult-Kanal von guten Hotels zielgerichtete Werbung für Manager zu schalten. Weil man herausgefunden hat, dass Manager im Hotel gerne den Sexkanal schauen.
Auch «im angezogenen Alter» macht es dem erstmaligen Executive CD dabei Spass, täglich wieder neue Wege zu suchen und zu beschreiten. Schrepfer hat sich noch einmal ganz frische Ziele gesetzt. «Bei Advico sagte ich: Wir müssen wieder eine der vier Agenturen werden, die kreativ sehr ernst genommen werden. Das sind wir geworden. Bei TBWA würde ich es weiter fassen und weiter entwickeln: Wir müssen eine der fünf Agenturen werden, die neue Wege geht. Eine Agentur, die neuartig denkt.»
Dass eine solche Haltung automatisch auch Kreativpreise zur Folge haben wird, ist für Schrepfer klar. Schliesslich hat er in seiner Laufbahn bereits über 350 nationale und internationale Preise gewonnen.
Urs Schrepfer ist über den Beruf des Lehrers in die Werbung eingestiegen. Zuerst wollte er «nur kurz» etwas anderes machen. «Dann hat man es in der Werbung gesehen», glaubte der neugierige Pädagoge. Es dauerte dann ein bisschen länger. Dafür hat Schrepfer es inzwischen nicht nur gesehen, sondern einen umfassenden Durchblick gewonnen. Seine Stationen waren Seiler, Aebi & Partner, GGK – bis der Texter schliesslich bei Advico seine bisherige Karriere als CD und Managing Partner krönen konnte. In Gockhausen wirkte er insgesamt 13 Jahre. Dazwischen fügte sich ein Abstecher als geschäftsführender CD bei Jung von Matt.
Als Vorstand ist Urs Schrepfer auch im ADC engagiert. Dort wirkt er für das neu geschaffene Ressort Young Creatives. Für den kommenden Wettbewerb im Herbst sucht er noch einen Sponsor mit einem spannenden Briefing.
Der neue ECD bei TBWA inspiriert und entspannt sich am liebsten beim Geniessen. Das kann bei dicken Zigarren sein. Spass macht ihm aber auch ein regelmässiger Kurs, «wie man Reben schneidet». Den eigenen Rebberg dazu hat er zwar noch nicht. Aber an der Weinhandlung eines Freundes ist Schrepfer bereits beteiligt.
Ein Hobby, das ihn auch geistig immer wieder weiterbringt, ist seine Leidenschaft für das Reisen. Usbekistan, Libyen, Armenien, Syrien oder Iran hat er schon auf sich wirken lassen. Die Eindrücke dort «relativieren extrem viel von dem, was wir hier als Werber machen». Oder wie soll man einem Tuareg abends im Wüstenzelt erklären, was eine integrierte Kampagne ist. Bei seiner nächsten Reise stellt sich das Problem allerdings nicht. Schrepfer musste seiner Frau versprechen, dass in den kommenden Ferien wieder einmal konventionelle Erholung in Griechenland angesagt ist.
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